Angekommen

Ein persönlicher Text über Fotografie, Selbstliebe und den leisen Weg zurück zu mir selbst.

Manchmal zeigen Bilder uns nicht nur, wie wir aussehen.
Sie erinnern uns daran, wer wir sind. Auch wenn wir das Gefühl dafür mal verloren haben.

Als ich Anfang des Jahres bei meiner Freundin Michaela zum Boudoir-Shooting war, habe ich vom ersten Moment an etwas Besonderes gefühlt: MICH.

Dabei war das nicht das erste Mal nach meiner Brustkrebs-Reise, dass ich vor der Kamera stand.

Während der Chemotherapie habe ich sogar ein paar besondere Selbstportraits mit Glatze gemacht. Ich wollte den Moment festhalten. Einfach auch, um mir selbst zu zeigen, das schön sein nicht an Haaren hängt. Auch während der Bestrahlung und in den Monaten danach hab ich immer wieder Möglichkeiten genutzt, Bilder von meinem "aktuellen ich" einfangen zu lassen - von lieben Kolleginnen und Kollegen.

Und trotzdem war dieses Shooting mit Michaela anders. Weil etwas vom ersten Moment an anders war. Es war das erste Mal nach der Akuttherapie, dass ich nicht mehr das Gefühl hatte, eine Krankheit würde mit mir den Raum betreten.

Sie war natürlich noch da. Sie gehört zu meiner Geschichte und wird das immer tun. Aber an diesem Tag stand sie nicht zwischen mir und der Kamera. An diesem Tag durfte einfach ICH da sein. Nicht als Patientin. Sondern einfach als FRAU, die  gerade eine besondere Lebensphase feiern darf.

Natürlich hatte das auch mit Michaela zu tun. Wir kennen uns schon einige Jahre und aus einer Begegnung in der Fotografie ist eine wunderbare Freundschaft geworden, die inzwischen weit über unseren Beruf hinausgeht. Ich wusste, dass ich mich bei ihr nicht erklären muss. Dass ich nichts darstellen muss. Dass ich einfach sein durfte. Und genau so hat sich dieser Tag angefühlt. Leicht. Vertraut. Einfach schön.

Als ich die fertigen Bilder zum ersten Mal gesehen habe, war mein erster Gedanke: "Da bin ich ja wieder"

Klingt erst mal unspektakulär. Aber das Gefühl war alles andere als das.

Eine Brustkrebs-Therapie verändert nicht nur den Körper. Sie verändert auch den Blick auf sich selbst für eine Weile, weil das Spiegelbild jeden Tag ein anderes ist. Man wird sich ein wenig fremd.

Die Behandlung endet irgendwann. Die Haare wachsen nach. Der Alltag kehrt langsam zurück. Aber sich selbst wiederzufinden, braucht manchmal eine Weile. Das ist nichts, was auf Knopfdruck passiert und auch etwas, das man von Außen vielleicht gar nicht wirklich verstehen kann, weil jeder denkt, dass wenn das Schlimmste überstanden ist, doch alles wieder gut ist.

Vielleicht fragst du dich, warum ich diese sehr persönliche Geschichte hier überhaupt teile.
Zum einen, weil mir wichtig ist für dieses Thema zu sensibilisieren. Es betrifft einfach so viele Frauen und ich möchte auf meine Art auch anderen Mut machen.

Aber auch, weil sie ganz viel mit meiner Arbeit zu tun hat. Mit dem, wie ich HEUTE hinter der Kamera stehe.

Ich glaube heute mehr denn je, dass Fotografie so viel mehr kann als schöne Bilder produzieren.
Ein Fotoshooting kann dir einen Moment schenken, in dem du dich selbst wieder mit anderen Augen siehst. Nicht mit dem kritischen Blick, den wir Frauen soso gut beherrschen.

Sondern mit etwas mehr Wärme. Mit etwas mehr Mitgefühl. Vielleicht sogar mit ein bisschen Stolz.

Genau deshalb geht es in meinen Shootings nie nur um Licht, Posen oder schöne Wäsche.

Es geht darum, einen Raum zu schaffen, in dem du einfach du sein darfst.

Ohne Erwartungen. Ohne Rollen. Ohne Bewertung.

Liebe Michaela,

so ein Gefühl hast du mir an diesem Tag geschenkt. Diese Bilder bedeuten mir mehr, als du wahrscheinlich ahnst.
Nicht nur, weil ich sie wunderschön finde. Sondern weil sie mich für immer an diesen Moment erinnern, in dem ich mich selbst wieder erkannt habe.

Und genau deshalb werden sie für mich immer etwas ganz Besonderes bleiben.

DANKE!



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