Angekommen

Ein persönlicher Text über Fotografie, Selbstliebe und den leisen Weg zurück zu mir selbst.

Manchmal zeigen Bilder uns nicht nur, wie wir aussehen.
Sie erinnern uns daran, wer wir sind. Auch wenn wir das Gefühl dafür mal verloren haben.

Als ich Anfang des Jahres bei meiner Freundin Michaela zum Boudoir-Shooting war, habe ich vom ersten Moment an etwas Besonderes gefühlt: MICH.

Dabei war das nicht das erste Mal nach meiner Brustkrebs-Reise, dass ich vor der Kamera stand.

Während der Chemotherapie habe ich sogar selbst die Kamera in die Hand genommen. Ich wollte festhalten, was gerade zu meinem Leben gehörte. Nicht, weil ich mich besonders stark gefühlt hätte. Sondern weil ich ehrlich mit dem sein wollte, was gerade war.

Und trotzdem war dieses Shooting mit Michaela anders. Nicht, weil die Bilder schöner geworden wären. Sondern weil sich etwas in mir verändert hatte. Es war das erste Mal nach der Akuttherapie, dass ich nicht mehr das Gefühl hatte, eine Krankheit würde mit mir den Raum betreten.

Sie war natürlich noch da. Sie gehört zu meiner Geschichte und wird das immer tun. Aber an diesem Tag stand sie nicht zwischen mir und der Kamera. An diesem Tag durfte einfach ich da sein. Nicht als Patientin. Einfach Nadine.

Vielleicht hatte das auch mit Michaela zu tun. Wir kennen uns schon viele Jahre. Aus einer Begegnung in der Fotografie ist eine Freundschaft geworden, die inzwischen weit über unseren Beruf hinausgeht. Ich wusste, dass ich mich bei ihr nicht erklären musste. Dass ich nichts darstellen musste. Dass ich einfach sein durfte. Und genau so hat sich dieser Tag angefühlt. Leicht. Vertraut.

Als ich die fertigen Bilder zum ersten Mal gesehen habe, war mein erster Gedanke: "Da bin ich ja."

Dieser Satz klingt vielleicht unscheinbar. Für mich war er alles.

Eine solche Erkrankung verändert nicht nur den Körper. Oft verändert sich auch der Blick auf sich selbst.

Die Behandlung endet irgendwann. Die Haare wachsen nach. Der Alltag kehrt langsam zurück. Aber sich selbst wiederzufinden, braucht manchmal etwas länger.

Vielleicht fragst du dich, warum ich diese sehr persönliche Geschichte hier überhaupt teile.

Weil sie ganz viel mit meiner Arbeit zu tun hat.

Ich glaube heute mehr denn je, dass Fotografie so viel mehr sein kann als schöne Bilder. Ein Fotoshooting kann dir einen Moment schenken, in dem du dich selbst wieder ansiehst. Nicht mit dem kritischen Blick, den wir Frauen so oft auf uns haben.

Sondern mit etwas mehr Wärme. Mit etwas mehr Mitgefühl. Vielleicht sogar mit ein bisschen Stolz.

Genau deshalb geht es in meinen Shootings nie nur um Licht, Posen oder schöne Wäsche.

Es geht darum, einen Raum zu schaffen, in dem du einfach du sein darfst.

Ohne Erwartungen. Ohne Rollen. Ohne den Blick der anderen.

Liebe Michaela,

diese Bilder bedeuten mir mehr, als du wahrscheinlich ahnst. Nicht nur, weil ich sie wunderschön finde. Sondern weil sie mich an einen Moment erinnern, in dem ich mich selbst wieder erkannt habe.

Und genau deshalb werden sie für mich immer etwas ganz Besonderes bleiben.



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